software1987 Tech-Blog

13Feb/110

MPEG-LA vs. Google – Wo ist der Sinn von Softwarepatenten?

Nachdem ich zuletzt auf die Firmenpolitik von Oracle eingegangen bin, möchte ich an dieser Stelle einen Kommentar zur MPEG LA (Licencing Administration) posten.

Das Thema Softwarepatente keimt dabei im jüngsten Artikel von heise.de (Original: mpegla.com) erneut auf. Die MPEG LA hat angekündigt mit der Suche nach Patenten gegen das, von Google, unter einer Open Source Lizenz veröffentlichte WebM/VP8-Format zu beginnen. Das Format ist in letzter Zeit öfter in den Medien erwähnt worden, da Google den alleinigen Support von WebM im Browser Chrome angekündigt hatte. Firefox und Opera unterstützen für das HTML5 Video-Tag schon länger das ebenfalls freie OGG Vorbis und haben nun auch WebM-Unterstützung eingebaut. Microsoft und Apple, die selbst Patentinhaber beim H.264/AVC Lizenz-Pool sind, hatten sich zuletzt kritisch über WebM geäußert und die Patentfreiheit des Codecs angezweifelt. So werden beide Browser (Safari und IE9) WebM vorerst nur über ein Plugin unterstützen und sonst das proprietäre H.264 nutzen. Der H.264-Codec wird von der MPEG LA Lizenzfrei zur Verfügung gestellt, solange der Codec für das Internet-Streaming freier Inhalte genutzt wird.

In Europa sind Softwarepatente bisher nicht umgesetzt, ein entsprechender Antrag ist 2002 fehlgeschlagen. Nach Artikel 52 des Europäischen Patentübereinkommens (EPÜ) sind mathematische Formeln sowie "Programme für Datenverarbeitungsanlagen" als solche von Patenten ausgeschlossen.

Trotz diesem Ausschluss gibt es in Europa einige angemeldete Patente für H.264/AVC. Inwiefern diese unter die obengenannten Ausschlusskriterien fallen lässt sich an dieser Stelle schwer sagen.

Anstatt die Entwicklung von Software und Technik voran zu treiben behindern Patentbestrebungen wie diese, die freie Entfaltung und die Entwicklungsmöglichkeiten weltweit. Wie kann man als Entwickler eines neuen Codecs sicher sein, nicht gegen irgendwelche obstrusen Softwarepatente zu verstoßen, wenn nicht einmal der von Google gekaufte VP8-Codec dagegen gefeit ist. Der Erfolg oder Misserfolg der Bestrebungen der MPEG LA wird ausschlaggebend für die weiteren Entwicklungen der Softwarebranche und -patente sein.

Für den Anwender bleibt zu hoffen, dass sich mit der browserübergreifenden Einführung von HTML5 ein Codec durchsetzen wird. Gleiches gilt natürlich für Anbieter von Video-Content, da diese bisher entweder Flash benutzen oder aber bei Einsatz des Video-Tags ein Flash-Fallback anbieten müssen.